28 March 2026, 20:28

Kratzers provokante Opern-Neuinszenierung spaltet Hamburgs Publikum

Schwarz-weiß-Radierung mit dem Titel 'Aaron Staying the Plague', die verstörte Menschen in einem Feld unter einem tiefblauen Himmel mit untergehender Sonne zeigt.

Kratzers provokante Opern-Neuinszenierung spaltet Hamburgs Publikum

Tobias Kratzers mutige Neuinszenierung von Das Paradies und die Peri feiert Premiere an der Hamburgischen Staatsoper

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Die Uraufführung von Tobias Kratzers gewagter Neuinterpretation von Das Paradies und die Peri an der Hamburgischen Staatsoper hat für Furore gesorgt. Das Oratorium, das auf einer orientalischen Erzählung aus Thomas Moores Lalla Rookh basiert, wurde mit provokanten zeitgenössischen Bezügen neu gedacht. Das Publikum reagierte mit einem Mix aus Buhrufen und Begeisterung, feierte die Aufführung am Ende jedoch mit großer Hingabe.

Die Inszenierung brach radikal mit Konventionen, indem sie die vierte Wand durchbrach. Kratzer ließ die Darsteller direkt mit dem Publikum interagieren, während Kameraschwenks die Live-Reaktionen der Zuschauer einfingen. Dieser immersive Stil sollte die Zuschauer in die Geschichte der Peri ziehen – eines engelhaften Wesens auf der Suche nach einem Geschenk, das ihr den Eintritt ins Paradies ermöglicht.

Im dritten Akt des Oratoriums wurden aktuelle Krisen thematisch aufgriffen. Kinder spielten unter einer von Plastikmüll verschmutzten Kuppel, ein Symbol für die Klimakatastrophe. Weitere Szenen verhandelten Rassismus, kollektive Schuld und generationenübergreifende Traumata, wobei die genauen künstlerischen Methoden in den Berichten nicht detailliert wurden.

Bühnenbildner Rainer Sellmaier und Regisseur Kratzer betteten die Handlung in gegenwärtige Figuren und gesellschaftliche Konflikte ein. Vera-Lotte Boecker als Peri schuf eine intensive Verbindung zum Publikum, die in einem kraftvollen Moment gipfelte, der metaphorisch die Pforten des Himmels öffnete. Die Philharmoniker Hamburg unter der Leitung von Omer Meir Wellber lieferten eine mitreißende Interpretation von Schumanns Partitur.

Die Reaktionen fielen gespalten aus. Eine Zuschauerin rief "Buh!" und verließ während der Vorstellung den Saal, doch der Großteil des Premierenpublikums spendete begeisterten Applaus. Die Produktion war Teil des Eröffnungswochenendes des Opernhauses, zu dem auch Abende mit neuem Musiktheater und anstehende Premieren wie Monster's Paradise und Frauenliebe und -leben zählten.

Kratzer, kürzlich zum "Regisseur des Jahres" gekürt, setzt an der Hamburgischen Staatsoper weiterhin auf grenzenüberschreitende Inszenierungen. Seine Vision für Das Paradies und die Peri verbindet Musik des 19. Jahrhunderts mit drängenden Themen der Gegenwart. Der Erfolg der Produktion deutet auf eine stärkere Verbindung zwischen dem Opernhaus und der städtischen Gesellschaft hin.

Quelle