ARD testet 30-minütige Tagesschau – wird das neue Format überzeugen?
Margit AtzlerARD testet 30-minütige Tagesschau – wird das neue Format überzeugen?
Die ARD hat mit einem Testlauf einer längeren Version ihrer Hauptnachrichtensendung Tagesschau begonnen. Dabei wird die üblicherweise 15-minütige Ausgabe auf 30 Minuten erweitert – zunächst im Montagabend-Slot um 20:15 Uhr. Eine endgültige Entscheidung, ob die Änderung dauerhaft umgesetzt wird, steht noch aus.
Das erweiterte Format soll den Zuschauerinnen und Zuschauern vertiefte Informationen und eine größere Vielfalt an Perspektiven bieten. Jörg Schönenborn, Programmdirektor des WDR, bezeichnete den Versuch als einen fortlaufenden Prozess und nicht als einmaligen Test. Das Konzept solle globale Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen verknüpfen und die Nachrichten so alltagsrelevanter gestalten.
Kritiker äußern jedoch Zweifel an dem Vorhaben. Aurelie von Blazekovic, Journalistin bei der Süddeutschen Zeitung, bezweifelt, dass eine stärkere Alltagsbezogenheit tatsächlich mehr Zuschauer anziehen wird. Anna Mayr von Die Zeit argumentiert, dass nicht die Länge, sondern die Qualität der Sendung verbessert werden müsse. Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, hält 15 Minuten für ausreichend und warnt, dass eine längere Sendezeit das Primetime-Programm der ARD durcheinanderbringen könnte.
Die aktuellen Einschaltquoten der klassischen 15-minütigen Tagesschau bleiben stabil: Pro Ausgabe verzeichnen die Verantwortlichen etwa 5 bis 6 Millionen Zuschauer bei Marktanteilen zwischen 25 und 27 Prozent. Zuletzt sahen etwa 5,87 Millionen Menschen die Sendung (27,5 Prozent Marktanteil) bzw. 5,31 Millionen (25,6 Prozent). Ob das Publikum jedoch ein längeres Format bevorzugt, ist trotz der allgemeinen Fragmentierung des TV-Markts und der wachsenden digitalen Konkurrenz unklar.
Die internen Entscheidungsprozesse der ARD gelten als komplex. Der Sender erhofft sich von der verlängerten Version mehr Vertrauen in die Medien und neue Zuschauer. Ob der Test jedoch erfolgreich sein wird, hängt in den kommenden Wochen maßgeblich von der Resonanz des Publikums ab.
Der 30-minütige Tagesschau-Versuch läuft nun an – doch seine Zukunft bleibt ungewiss. Die Zuschauer müssen abwägen, ob sie von ausführlicheren Nachrichten profitieren oder die zusätzliche Zeit als Nachteil empfinden. Die ARD wird das Feedback auswerten, bevor sie über eine dauerhafte Umsetzung entscheidet.






