Über 350 Filmschaffende verteidigen Nadav Lapid gegen Boykott-Forderungen
Halil KramerÜber 350 Filmschaffende verteidigen Nadav Lapid gegen Boykott-Forderungen
Über 350 Persönlichkeiten aus der Filmbranche haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie den israelischen Regisseur Nadav Lapid verteidigen. Das Schreiben verurteilt Forderungen, ihn von einem französischen Filmfestival auszuschließen, und plädiert stattdessen für kulturellen Austausch statt Boykotte.
Lapid war als Jurymitglied zum Internationalen Filmfestival FID Marseille eingeladen worden. Nach Druck von Filmschaffenden, die seine Absetzung forderten, zogen rund zehn Regisseure ihre Beiträge zurück – woraufhin Lapid selbst zurücktrat, um weitere Eskalationen zu vermeiden.
Seit 2021 lebt Lapid in selbstgewähltem Exil in Frankreich. Als scharfer Kritiker der Regierung unter Benjamin Netanyahu drehte er jüngst Yes, einen Film, den Variety als schonungslose Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus bezeichnete. Angesichts der Angriffe warnte er vor einer Einschüchterung kultureller Einrichtungen.
Zwei separate Stellungnahmen in Le Monde unterstützten Lapid: Eine, unterzeichnet von Prominenten wie Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, argumentierte, sein Ausschluss müsse „alarmierend wirken und zum Handeln mobilisieren“. Eine weitere verurteilte den Boykott als „Einschüchterungskampagne“ und hinterfragte dessen Logik.
Lapids Rückzug vom Festival unterstreicht die wachsenden Spannungen im Kulturbereich. Die offenen Briefe zeigen deutlichen Widerstand gegen den Boykott. Im Zentrum der Debatte stehen die künstlerische Freiheit und die Auswirkungen politischen Drucks auf kulturelle Veranstaltungen.






