Solingens Lieferkontor öffnet Türen für vergessene Liewerfrauen-Geschichte
Margit AtzlerSolingens Lieferkontor öffnet Türen für vergessene Liewerfrauen-Geschichte
Solingen erweitert den Zugang zum historischen Lieferkontor, einem zentralen Standort des dezentralen Industriemuseums der Stadt. Das Gebäude diente einst als Drehscheibe für die Liewerfrauen – Frauen, die schwere Körbe mit Scherenteilen und Messerklingen durch ganz Europa trugen. Obwohl diese Tradition im 19. Jahrhundert in den meisten Regionen verschwand, bewahrte Solingen ihr Erbe.
Das Lieferkontor liegt nahe dem Stadtzentrum im Gründerzentrum. Hier lieferten die Liewerfrauen ihre Ware ab und erhielten ihren Lohn. Heute beherbergt der Ort eine Ausstellung über ihren Alltag und die entbehrungsreiche Arbeit, die zeigt, wie sie sich auf Solingens steilem Gelände bewegten.
Um das Museum zugänglicher zu gestalten, werden die Stadt und ihr Förderverein das Lieferkontor 2026 an fünf Terminen jeweils von 10:00 bis 14:00 Uhr öffnen. Zudem führt der lokale Guide Lutz Peters an vier zusätzlichen Sonntagen von 11:00 bis 13:00 Uhr durch die Räumlichkeiten. Die Veranstalter hoffen, Ehrenamtliche zu gewinnen, um die Öffnungszeiten weiter auszubauen. Langfristig ist geplant, das Lieferkontor jeden ersten Sonntag im Monat von April bis Oktober zu öffnen.
Das Lieferkontor ist einer von fünf Standorten des Solinger Industriemuseums. Weitere sind die Gesenkschmiede Hendrichs und Wipperkotten, die jeweils unterschiedliche Aspekte der städtischen Produktionsgeschichte repräsentieren. Wer das Erbe der Liewerfrauen hautnah erleben möchte, kann am 19. April um 13:00 Uhr an einer geführten Wanderung auf dem Liewerfrauenweg teilnehmen. Startpunkt ist das Gründerzentrum; die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen begrenzt.
Die erweiterten Öffnungszeiten sollen während der Wandersaison von März bis Oktober mehr Besucher anziehen. Mit mindestens einem Öffnungstag pro Monat will die Stadt die Geschichte der Liewerfrauen lebendig halten. Das Lieferkontor bleibt eine greifbare Verbindung zu Solingens industrieller Vergangenheit und den Frauen, die sie prägten.






