13 Millionen Deutsche leben unter der Armutsgrenze – wer ist besonders betroffen?
Halil Kramer13 Millionen Deutsche leben unter der Armutsgrenze – wer ist besonders betroffen?
Rund 13 Millionen Menschen in Deutschland – das entspricht 15,5 Prozent der Bevölkerung – leben unter der Einkommensarmutsgrenze. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass viele Arbeitnehmer, insbesondere Geringverdiener, bereits heute und später im Ruhestand mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen. Steigende Lebenshaltungskosten und stagnierende Löhne haben die Situation für besonders gefährdete Gruppen weiter verschärft.
Die Armutsgrenze in Deutschland liegt derzeit bei einem Nettoeinkommen von 1.378 Euro pro Monat. Durch die Inflation hat sich die Kaufkraft verringert: Lag der durchschnittliche Betrag, der für den Lebensunterhalt zur Verfügung stand, 2020 noch bei 981 Euro, sind es in diesem Jahr nur noch 914 Euro. Besonders gefährdet sind Alleinerziehende, ältere Menschen und Personen, die allein leben.
Um nach 45 Arbeitsjahren eine Rente oberhalb der Armutsgrenze zu erhalten, wäre ein monatliches Bruttogehalt von etwa 3.300 Euro nötig. Doch rund 9,2 Millionen Vollzeitbeschäftigte – das sind 40 Prozent der Arbeitnehmer – verdienen weniger als 3.500 Euro im Monat. Sie laufen damit Gefahr, im Alter in Armut zu geraten. Weitere 4,6 Millionen Arbeitnehmer, also 20 Prozent der Vollzeitkräfte, kommen sogar mit weniger als 2.750 Euro monatlich aus und sehen ohne zusätzliche Ersparnisse noch düstereren Rentenzahlen entgegen.
Die gesetzliche Rente ersetzt bei über 65-Jährigen im Schnitt nur etwa 53 Prozent des früheren Bruttoeinkommens, sodass viele auf private Vorsorge angewiesen sind. Frauen sind besonders benachteiligt: Ihre Rentenansprüche liegen im Durchschnitt 31,4 Prozent unter denen der Männer.
Ab 2026 erhalten Rentner mehr Spielraum, ihr Einkommen aufzubessern, da die Verdienstgrenze für Minijobs angehoben wird. Diese Änderung soll denen helfen, die nach dem Berufsausstieg kaum über die Runden kommen.
Niedrige Löhne und die anhaltende Inflation drängen immer mehr Menschen in Deutschland in finanzielle Not. Ohne zusätzliche Ersparnisse oder politische Reformen droht Millionen im Ruhestand die Armut. Die geplante Anhebung der Minijob-Grenze könnte zwar etwas Entlastung bringen, doch die grundsätzlichen Herausforderungen für Geringverdiener bleiben bestehen.






