Rheinwasser-Pipeline für geflutete Tagebaue genehmigt – doch Kritik bleibt laut
Margit AtzlerRheinwasser-Pipeline für geflutete Tagebaue genehmigt – doch Kritik bleibt laut
Großprojekt zur Flutung ehemaliger Braunkohletagebaue mit Rheinwasser macht wichtigen Schritt vorwärts
Ein großes Vorhaben zur Flutung stillgelegter Braunkohletagebaue mit Rheinwasser hat Ende Januar 2026 eine entscheidende Hürde genommen: Die Behörden genehmigten den Bau einer 45 Kilometer langen Pipeline, die Wasser aus dem Rhein in den Tagebau Hambach leiten soll. Das von dem Energiekonzern RWE geführte Projekt zielt darauf ab, neue Seen und Naherholungsgebiete zu schaffen – doch Kritiker warnen vor Umweltgefahren und langfristigen Kosten.
In einer ersten Phase soll ab 2030 der Tagebau Hambach geflutet werden, gefolgt von Garzweiler und Inden im Jahr 2036. Ungeklärt bleiben jedoch weiterhin Fragen zur Wasserqualität und den Auswirkungen auf lokale Ressourcen.
Den offiziellen Startschuss für das Pipeline-Projekt gab eine Grundsteinlegungsfeier in Elsdorf am Rand des Tagebaus Hambach. RWE bezeichnet die Initiative als Symbol für zukünftige Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Chancen für die Region. Das 45 Kilometer lange Leitungssystem wird aus 10.000 Rohren bestehen, von denen einige einen Durchmesser von bis zu 2,2 Metern aufweisen, um Rheinwasser in die verlassenen Gruben zu transportieren.
Die Genehmigungen für Bau und Betrieb der Pipeline erteilte die Bezirksregierung Arnsberg im Januar 2026. Zwar liegen bereits wasserrechtliche Zulassungen vor, doch das Verfahren für die Einleitung von Wasser in den Tagebau Hambach steht noch aus. Ein weiteres Genehmigungsverfahren für die Rheinwasserentnahme soll im Herbst 2026 beginnen, wobei das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt die Wasserentnahme aus dem Fluss überwachen wird.
Umweltverbände wie der BUND und die Initiative "Alle Dörfer bleiben" äußern Bedenken hinsichtlich möglicher Kontaminationen. Sie verweisen auf die Gefahr von "Ewigkeitschemikalien" wie PFAS im Rhein, die die Wasserqualität der neuen Seen beeinträchtigen könnten. Der lokale Aktivist Andreas Büttgen fordert strengere Überwachungs- und Reinigungsmaßnahmen, bevor Wasser umgeleitet wird. Zudem warnt er davor, dass RWE sich aus dem Projekt zurückziehen könnte – und die Steuerzahler dann mit erheblichen Langzeitkosten belastet würden.
Die Flutung des Tagebaus Hambach ist für 2030 geplant, Garzweiler und Inden sollen 2036 folgen. Die umgestalteten Gruben sollen zu Touristenattraktionen und Lebensräumen für Wildtiere werden. Doch die regionale Wasserversorgung steht bereits unter Druck, nicht zuletzt durch das neue Hyperscale-Rechenzentrum von Microsoft, das große Mengen Wasser für die Kühlung verbraucht. Dies verschärft die Sorgen vor Knappheit und Konkurrenz um Ressourcen.
Die Genehmigung der Pipeline markiert einen Meilenstein in RWEs Plänen zur Nachnutzung der ehemaligen Tagebaue. Bei Erfolg könnten bis Mitte der 2030er-Jahre neue Seen und Freizeitflächen entstehen. Doch offene Genehmigungsfragen, ökologische Bedenken und Herausforderungen bei der Wasserverfügbarkeit lassen die langfristigen Folgen des Projekts weiterhin ungewiss erscheinen.






