Renault revolutioniert Batterie-Lieferkette für längere Lebensdauer von E-Autos
Angelina ReinhardtRenault revolutioniert Batterie-Lieferkette für längere Lebensdauer von E-Autos
Renault Gruppe gestaltet seine Batterie-Lieferkette um und betrachtet Akkus nicht länger als Wegwerfteile, sondern als wertvolle Vermögenswerte. Das Unternehmen setzt auf Geschwindigkeit, Kreislaufwirtschaft und Echtzeitdaten, um Elektrofahrzeuge möglichst lange auf der Straße zu halten. Israfil Beker, bei Renault verantwortlich für die Aftersales-Lieferkette im Bereich Elektrofahrzeuge, stellte diese Pläne kürzlich in einem Interview auf der Red Sofa-Veranstaltung von Automotive Logistics in Bonn vor.
Laut Beker machen Batterien mittlerweile bis zu 30 Prozent des Gesamtwerts eines Fahrzeugs aus. Diese Entwicklung hat Renault dazu veranlasst, eine Lieferkette zu konzipieren, in der Akkus effizient zwischen Händlern, Werkstätten, Lagern und Recyclingbetrieben zirkulieren. Ziel ist ein 360-Grad-Modell, bei dem jeder Partner gleichzeitig Lieferant und Kunde ist – so sollen Verzögerungen und Verschwendung minimiert werden.
Das 2023 gestartete Batterie-Tauschprogramm des Konzerns soll Kunden schnell wieder mobil machen. Statt wochenlang auf Reparaturen zu warten, erhalten Fahrer einen Ersatzakku, während ihr Originalmodul parallel instand gesetzt wird. In Pilotstationen in Frankreich (Pariser Vororte und Lyon) sowie Deutschland (Berlin und München) wurde das System bereits mit modularen 40-kWh-Batteriepacks für Modelle wie den Renault 5 E-Tech getestet. Bis 2026 sollen in Frankreich und Deutschland jeweils über 50 Tauschstationen entstehen, während in den Niederlanden und Großbritannien weitere Tests laufen – allerdings noch ohne vollständige Umsetzung.
Doch es gibt weiterhin Hürden. Batterien gelten als Gefahrgut, und die Vorschriften können sich selbst innerhalb eines Landes wie Deutschland unvorhersehbar ändern. Eine weitere Herausforderung ist die Echtzeit-Datentransparenz, da Partner unterschiedliche ERP-, WMS- und TMS-Systeme nutzen. Ohne nahtlose Nachverfolgung wird die Steuerung des Batterieflusses deutlich komplexer.
Renaults Strategie setzt klar auf Tempo und Nachhaltigkeit, um die Stillstandszeiten von Fahrzeugen auf ein Minimum zu reduzieren. Durch die kreislauforientierte Lieferkette und das Tauschprogramm sollen Reparaturverzögerungen von Wochen auf wenige Stunden schrumpfen. Mit der geplanten flächendeckenden Einführung bis 2026 könnte dieser Ansatz einen neuen Standard für die Wartung von Elektrofahrzeugen setzen.






