Kult-Disko Himmerich schließt nach 75 Jahren – und eine Petition kämpft um ihre Rückkehr
Halil KramerKult-Disko Himmerich schließt nach 75 Jahren – und eine Petition kämpft um ihre Rückkehr
Die Diskothek Himmerich in Heinsberg (Nordrhein-Westfalen) hat nach 75 Jahren ihre Türen geschlossen. Einst die einzige Tanzhalle der Region, hatte sie seit ihrer Eröffnung über 25 Millionen Besucher willkommen geheißen. Nun fordert eine Online-Petition mit mehr als 500 Unterschriften ihre Wiedereröffnung.
Die plötzliche Schließung des Himmerich ist Teil eines größeren Niedergangs der deutschen Nachtkultur. Innerhalb von weniger als einem Jahrzehnt hat sich die Zahl der Clubs halbiert – von 2.042 im Jahr 2015 auf nur noch 1.070 im Jahr 2024, wie der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) mitteilt. Mehr als die Hälfte der verbleibenden Locations gibt an, zusätzliche finanzielle Unterstützung zum Überleben zu benötigen, wie eine Umfrage des Branchenverbands LiveKomm zeigt.
Allein in Nordrhein-Westfalen haben seit 2023 etwa 25 Clubs dichtgemacht. Im Ruhrgebiet, zu dem Städte wie Dortmund, Essen und Duisburg gehören, gab es zwölf Schließungen, im Rheinland (Köln und Düsseldorf) waren es acht. Wirtschaftlicher Druck und strengere Vorschriften haben viele Betreiber in die Insolvenz getrieben.
Doch nicht nur finanzielle Probleme setzen der Branche zu – auch veränderte Gewohnheiten machen ihr zu schaffen. Streaming-Dienste und Dating-Apps bieten heute Alternativen für Musikentdeckung und Soziales. DJ Stinson vermutet, dass jüngere Generationen nach den Pandemie-Beschränkungen sogar "verlernt" haben könnten, wie man feiert.
Das Himmerich ist kein Einzelfall. Auch legendäre Clubs wie das Starfish in Aachen oder der Untergrund in Bochum mussten kürzlich schließen. Der Trend betrifft sowohl ländliche als auch städtische Regionen und lässt immer weniger Räume für Live-Musik und Tanz übrig.
Die Schließung des Himmerich markiert das Ende einer Ära für die lokale Nachtkultur. Angesichts schrumpfender Veranstaltungsorte kämpft die Branche weiterhin mit gesellschaftlichem Wandel und finanziellen Belastungen. Unterdessen hoffen Unterstützer auf eine Rückkehr des Traditionsclubs – und treiben die wachsende Petition voran.






