ZDK und ZVK: Historische Spaltung erschüttert die deutsche Auto-Branche
Halil KramerZDK und ZVK: Historische Spaltung erschüttert die deutsche Auto-Branche
Ein langjähriger Streit zwischen zwei führenden Automobilverbänden Deutschlands hat einen Wendepunkt erreicht. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) setzte im Januar 2024 weitreichende Reformen durch und ebnete damit den Weg für eine formelle Trennung vom Zentralverband des Kraftfahrzeughandwerks (ZVK). Zwar sind die vollen Auswirkungen noch unklar, doch haben die Änderungen bereits juristische Auseinandersetzungen ausgelöst und die Mitgliedschaftsregeln neu geordnet.
Die Reformen, die die ZDK-Führung als Schritt zu mehr Transparenz bezeichnet, werden von Kritikern als gezielter Versuch gewertet, die Spaltung voranzutreiben. Unternehmen sehen sich nun mit Unsicherheit konfrontiert, während sich beide Organisationen auf weitere Konflikte vorbereiten.
Der Konflikt zwischen ZDK und ZVK eskalierte, nachdem der ZVK im Oktober 2025 die Abführung von 95 Prozent der ZDK-Mitgliedsbeiträge gefordert hatte. Dieser finanzielle Streit löste Rechtsstreitigkeiten aus und vertiefte die bestehenden Spannungen. Doch laut ZDK liegen die eigentlichen Gründe für die Trennung tiefer – der Streit um die Fahrzeugprüfgebühren habe mittlerweile kaum noch rechtliche Relevanz.
Im Januar verabschiedete der ZDK neue Satzungen, um die klare Abgrenzung vom ZVK durchzusetzen. Die Reformen verbieten gemeinsame Personen in Führungsgremien und schreiben eine strikte institutionelle Trennung vor. ZDK-Präsident Thomas Peckruhn und Geschäftsführer Jürgen Hasler begründeten die Änderungen mit der Notwendigkeit, die Realitäten der Branche widerzuspiegeln und die Transparenz zu erhöhen. Sie betonten zudem, dass Führungspositionen künftig nicht mehr vererbt, sondern durch demokratische Abstimmungen in der Mitgliederversammlung vergeben werden.
Um zu verhindern, dass Werkstätten ohne Vertretung dastehen, hat der ZDK direkte Wege für einen Beitritt zur Bonner Zentrale geschaffen. Damit soll verhindert werden, dass Innungen organisatorisch ins Abseits geraten, falls sich ihre Landesverbände zurückziehen. Zudem plant der ZDK, in betroffenen Regionen vermehrt Aufklärungsarbeit zu leisten, um die Gründe und möglichen Folgen eines Austritts zu erläutern.
Peckruhn räumte die Belastung für die Betriebe ein, ließ aber eine Tür für eine Rückkehr des ZVK zur Zusammenarbeit offen. Die aktuelle Situation bezeichnete er als ein "bewusst herbeigeführtes Szenario", das die beiden Gruppen auseinandertreiben solle. Trotz der angespannten Lage deutete er an, dass ein konstruktiver Dialog in Zukunft noch möglich sein könnte.
Die Januar-Reformen haben dem ZDK eine klare Richtung vorgegeben, doch die vollen Konsequenzen der Trennung stehen noch aus. Werkstätten haben nun neue Möglichkeiten, sich direkt dem ZDK anzuschließen, während der ZVK vor juristischen und finanziellen Herausforderungen steht. Angesichts der nach wie vor hohen Spannungen wird sich in den nächsten Schritten zeigen, ob die beiden Verbände gemeinsamen Boden finden – oder sich weiter voneinander entfernen.