Warum das Vertrauen in Politik, Medien und Wissenschaft schwindet – und was das bedeutet
Micha SeipWarum das Vertrauen in Politik, Medien und Wissenschaft schwindet – und was das bedeutet
Warum die Menschen das Vertrauen in zentrale Institutionen verlieren: Eine neue Studie des Soziologen Aladin El-Mafaalani
In seinem neuen Buch untersucht der Dortmunder Soziologe Aladin El-Mafaalani, warum immer mehr Menschen das Vertrauen in zentrale Institutionen verlieren. Seine Forschung beleuchtet den Rückgang des Vertrauens in Gerichte, Wissenschaft, Medien und staatliche Einrichtungen. Die Ergebnisse liefern zudem Erklärungsansätze für den rasanten Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen wie der AfD in Deutschland oder von Figuren wie Donald Trump.
El-Mafaalani argumentiert, dass misstrauische Menschen zunehmend Zusammenhalt mit Gleichgesinnten suchen, die ihre Skepsis teilen. Diese Gruppen, die er als "Gemeinschaften des Misstrauens" bezeichnet, bilden enge Netzwerke – oft über digitale Medien. Statt das Vertrauen in die Demokratie zu stärken, setzen sie ihr Vertrauen in Parteien, die liberal-demokratische Werte offen ablehnen.
Die AfD als Beispiel für den Vertrauensverlust Die Entwicklung der AfD veranschaulicht diesen Wandel. 2013 als euroskeptische, rechtliberale Partei gegründet, radikalisierte sie sich schnell zu einer rechtspopulistischen und teils rechtsextremen Kraft. Bereits im September 2013 erreichte sie 4,7 Prozent bei der Bundestagswahl, gefolgt von 7 Prozent bei der Europawahl 2014. Nach inneren Konflikten spaltete sich 2015 der gemäßigtere Flügel ab – doch die Unterstützung für die härtere Linie wuchs weiter.
Wie El-Mafaalani betont, arbeiten populistische Strategen gezielt daran, das Vertrauen in Institutionen zu untergraben. Seine Analyse zeigt: Allein die Inkompetenz der AfD aufzudecken, wird bei ihren Wählern kein demokratisches Vertrauen zurückgewinnen. Stattdessen schlägt er alternative Ansätze vor, um der Anziehungskraft des Rechtspopulismus entgegenzuwirken.
Wie sich Misstrauen verbreitet und verfestigt In "Gemeinschaften des Misstrauens" kartiert El-Mafaalani, wie sich Skepsis ausbreitet und verfestigt. Seine Forschung macht deutlich, wie schwer es ist, diesen Trend umzukehren, während misstrauische Netzwerke immer stärker werden. Die Erkenntnisse bieten Politik und Zivilgesellschaft jedoch Instrumente, um dem Schwinden demokratischen Vertrauens wirksamer zu begegnen.






