Pflegekosten explodieren: Familien zahlen bis zu 7.441 Euro monatlich aus eigener Tasche
Margit AtzlerPflegekosten explodieren: Familien zahlen bis zu 7.441 Euro monatlich aus eigener Tasche
Pflegekosten in Deutschland steigen weiter stark an und belasten Familien schwer
Die Ausgaben für Langzeitpflege in Deutschland klettern weiterhin rasant und setzen Haushalte massiv unter finanziellen Druck. Bis 2026 mussten Heimbewohner:innen im ersten Jahr durchschnittlich über 3.200 Euro pro Monat selbst aufbringen. Doch auch die ambulante Pflege – von der große Mehrheit bevorzugt – kann noch teurer werden: Manche zahlen bis zu 7.441 Euro monatlich aus eigener Tasche.
Der Großteil der Pflegebedürftigen in Deutschland (85,9 %) wird zu Hause versorgt, mehr als die Hälfte (54,5 %) ausschließlich von Angehörigen. Das Gesetz gibt sogar der häuslichen Pflege Vorrang – gemäß dem Prinzip der Sozialhilfe (§ 3 SGB XI). Doch die finanzielle Belastung ist enorm: Die Hälfte der zu Hause Gepflegten und ihre Familien geben über 2.000 Euro im Monat aus – ohne dass die Pflegeversicherung auch nur einen Cent davon übernimmt.
Anders als in Pflegeheimen, wo die Eigenanteile schrittweise steigen, bleiben die Kosten für die häusliche Pflege über die Jahre hinweg hoch. 2024 zahlten Heimbewohner:innen im ersten Jahr durchschnittlich 2.907 Euro monatlich, bis 2026 stieg der Betrag auf 3.245 Euro. Die Pflegeversicherung deckt dabei nur einen Teil der Ausgaben ab – die Höhe der Unterstützung hängt vom festgestellten Pflegegrad ab.
Der Bundesverband "wir pflegen" e.V. spricht von einem "skandalösen Ungleichgewicht" und fordert dringend Reformen, um Familien zu entlasten. Die Bundesregierung hat zugesagt, das Pflegesystem bis Ende 2026 grundlegend zu überarbeiten – mit dem Ziel, es bezahlbarer und zukunftsfest zu machen.
Doch bis dahin bleibt die Situation für viele prekär: Bei weiter steigenden Kosten und nur teilweiser Übernahme durch die Versicherung müssen Familien immer tiefere Eigenanteile stemmen. Die für 2026 geplanten Reformen sollen die Finanzierbarkeit verbessern, doch bis dahin wird der Spagat zwischen häuslicher und stationärer Pflege weiterhin eine der größten Herausforderungen für die Politik bleiben.