NRW-Lehrstellenmarkt in der Krise: Bewerbermangel verschärft sich bis 2026
Margit AtzlerNRW-Lehrstellenmarkt in der Krise: Bewerbermangel verschärft sich bis 2026
Lehrstellenmarkt in Nordrhein-Westfalen steht vor neuen Herausforderungen: Nachfrage übersteigt Angebot
Der Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen sieht sich mit frischen Problemen konfrontiert, da die Nachfrage nach Auszubildenden das Angebot übersteigt. Betriebe kämpfen zunehmend damit, freie Lehrstellen zu besetzen – in Schlüsselregionen ist ein spürbarer Rückgang bei neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen zu verzeichnen. Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) wird die Lage ab 2026 weiter verschärfen, wenn voraussichtlich keine Schulabgänger mit Abitur auf den Arbeitsmarkt drängen.
Laut der IHK Mittlerer Niederrhein wurden bis Ende Oktober 2023 insgesamt 3.538 neue Ausbildungsverträge registriert – ein Rückgang um 6,48 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Entwicklung verlief dabei regional unterschiedlich: Während Krefeld mit 964 Verträgen nur ein Minus von 0,52 Prozent verzeichnete, brach die Zahl in Viersen um 11,94 Prozent auf 612 Verträge ein.
Beliebte Ausbildungsberufe blieben weiterhin Kaufleute für Büromanagement, Fachkräfte für chemische Produktion sowie Verkäufer im Einzelhandel. Trotz des Rückgangs setzen Unternehmen weiterhin auf die eigene Nachwuchsförderung, da sie diese als zuverlässigste Methode zur Fachkräftesicherung betrachten.
G9-Reform verschärft Engpass ab 2026 Die Situation wird sich durch die Rückkehr zu G9 weiter zuspitzen: Da 2026 voraussichtlich keine Abiturienten den Arbeitsmarkt betreten, müssen Unternehmen, die traditionell Schulabgänger mit Hochschulreife für eine Ausbildung gewinnen, mit einem drastischen Bewerberrückgang rechnen. Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, warnte vor der drohenden Fachkräftelücke. Hasan Klauser von der Agentur für Arbeit Krefeld bestätigte, dass der Markt weiterhin bewerberfreundlich bleibe – mit mehr offenen Stellen als Interessenten.
Gegensteuern durch gezielte Werbung für duale Ausbildung Um dem Trend entgegenzuwirken, werben die Industrie- und Handelskammer (IHK), der Kreishandwerkerschaftsverband und die Bundesagentur für Arbeit verstärkt bei Jugendlichen für eine berufliche Ausbildung.
Der Rückgang bei Ausbildungsverträgen unterstreicht die wachsenden Spannungen auf dem Arbeitsmarkt. Ohne Gegenmaßnahmen könnte die Abitur-Lücke 2026 dazu führen, dass zahlreiche Lehrstellen unbesetzt bleiben. Unternehmen und Behörden setzen daher nun alles daran, junge Talente für die duale Ausbildung zu begeistern.






