Kölner Stadtarchiv: Wie ein Einsturz 2009 Kulturschätze für immer zerstörte
Halil KramerKölner Stadtarchiv: Wie ein Einsturz 2009 Kulturschätze für immer zerstörte
Ein verheerender Einsturz im Jahr 2009 zerstörte das historische Stadtarchiv Kölns, begrub jahrhundertealte Dokumente und forderte zwei Menschenleben. Die Katastrophe ereignete sich während des Baus der Nord-Süd-U-Bahn-Linie, als sich unter dem Gebäude ein Grundwasserkrater auftat. Mehr als 15 Jahre später ist die Baustelle immer noch nicht fertiggestellt, und die juristischen Auseinandersetzungen wurden erst kürzlich abgeschlossen.
Am 3. März 2009 um 13:58 Uhr brach der Boden unter dem Kölner Stadtarchiv weg. Der Einsturz riss das Gebäude in die Tiefe und tötete zwei junge Männer in benachbarten Häusern. Im Inneren wurden 1,7 Millionen Dokumente – einige bis zu 1.000 Jahre alt – unter Trümmern begraben. Viele wurden unwiederbringlich beschädigt, ein Drittel gilt als für immer verloren. Die Rettungsarbeiten dauern an, doch Experten schätzen, dass die Restaurierung erst 2050 abgeschlossen sein wird.
Eine spätere Untersuchung förderte zutage, dass tragende Stahlträger vor dem Einsturz gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die über keine Erfahrung mit derartigen Projekten verfügten, hatten die Bauarbeiten geleitet. 2018 verurteilte ein Gericht den Bauleiter und den Oberbauleiter zu Bewährungsstrafen, während zwei weitere Verantwortliche freigesprochen wurden.
Die juristischen Verfahren zogen sich bis August 2024 hin, als sich die letzten Angeklagten auf finanzielle Strafen einigten. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein mit der Begründung, die Beschuldigten trügen nur eine "mittelbare" Verantwortung. Die Baustelle selbst bleibt indes eine Narbe in der Stadt. 2023 wurde sie teilweise mit Beton verfüllt, doch noch immer prägen Sandhügel und wildwucherndes Gestrüpp das Gelände. Der provisorische Beton soll bald entfernt werden, um die Arbeiten an der U-Bahn-Linie wiederaufzunehmen – diese soll die Fahrzeit um acht Minuten verkürzen.
Seit 2011 setzt sich die Aktivistengruppe ArchivKomplex für eine Mitsprache bei den Wiederaufbauplänen ein. Zudem fordert sie einen würdigen Gedenkort für die Opfer und das verlorene Kulturgut.
Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs hinterließ spürbare Folgen – sowohl baulich als auch rechtlich. Während die Bergungs- und Restaurierungsarbeiten sich über Jahrzehnte erstrecken und die Baustelle noch immer unvollendet ist, wirken die Auswirkungen der Katastrophe nach. Die U-Bahn-Linie wird nach ihrer Fertigstellung zwar schnellere Verbindungen bieten – doch die Spuren ihrer Entstehung bleiben im Stadtbild sichtbar.






