23 April 2026, 14:44

"Kein Körper passt": Kims zerrissene Identität erobert die Berliner Bühne

Eine farbenfrohe Papierreproduktion, die die Stadien des Lebens von Frauen von der Kindheit bis ins hohe Alter zeigt, mit kräftiger Schrift und detaillierten Elementen.

"Kein Körper passt": Kims zerrissene Identität erobert die Berliner Bühne

Eine mitreißende Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Roman Kein Körper passt feierte am Dienstag im Berliner Vaganten Bühne Premiere. Das Stück begleitet Kim, eine genderfluide Erzählfigur, auf ihrer Konfrontation mit Familiengeheimnissen und der eigenen Identität. Die Inszenierung setzt einen mutigen Schritt, um den gefeierten Roman von 2022 – ausgezeichnet mit sowohl dem Deutschen als auch dem Schweizer Buchpreis – auf die Bühne zu bringen.

Die Handlung beginnt mit Kims Rückkehr in das Elternhaus in einem Schweizer Vorort, ausgelöst durch die Demenz der Großmutter. Unter einer Blutbuche, die der Urgroßvater einst für seine enterbte Tochter gepflanzt hatte, findet Kim einen brüchigen Ort der Geborgenheit. Der Baum wird zum Symbol vergrabenen Familienerbes und treibt sie an, transgenerationale Traumata zu erforschen.

Kims Weg ist zugleich eine Reise der Selbstfindung. Abseits binärer Körperbilder stürzt sie sich in die Welt von Sex und Nachtleben, navigiert durch Verbindungen über die Dating-App Grindr. Der Kampf, zugewiesene Rollen mit der fließenden Identität in Einklang zu bringen, gibt der Erzählung ihre Dynamik.

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Auf der Bühne wird Kim von drei Schauspieler:innen verkörpert – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger –, die gemeinsam die Vielschichtigkeit eines Lebens einfangen, das sich jeder einfachen Zuordnung entzieht. Nach neunzig intensiven Minuten bricht die Aufführung langes Schweigen auf und verwandelt Scham in einen Weg zur Selbstakzeptanz.

Die Adaption bleibt dem rohen emotionalen Kern des Romans treu und bietet dem Publikum eine packende Auseinandersetzung mit Erinnerung, Identität und Heilung. Indem sie persönliche und familiäre Kämpfe in Theater verwandelt, führt die Inszenierung den Diskurs fort, den de l'Horizons bahnbrechendes Werk angestoßen hat. Das Stück läuft im Vaganten Bühne und lädt Zuschauer:innen ein, Kims Kampf um Sichtbarkeit und Stimme mitzuerleben.

Quelle