Guido Westerwelle: Zehn Jahre nach dem Tod einer politischen Ikone
Angelina ReinhardtVom 'Jungtuer' zum Staatsmann - Guido Westerwelle: Zehn Jahre nach dem Tod einer politischen Ikone
18. März jähren sich zum zehnten Mal der Tod von Guido Westerwelle, einer der farbenprächtigsten Figuren der deutschen Politik. Der ehemalige Außenminister und Vorsitzende der Freien Demokratischen Partei (FDP) starb 2016 mit nur 54 Jahren nach einem langen Kampf gegen Leukämie. Sein Erbe bleibt eng mit dem dramatischen Aufstieg und Fall seiner Partei verbunden – und mit seinem unverkennbar selbstbewussten, oft provokanten Stil.
Westerwelles politische Karriere verlief rasant. Als Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen gestartet, übernahm er 2001 den FDP-Vorsitz. Unter seiner Führung erreichte die Partei bei der Bundestagswahl 2009 mit 14,6 Prozent ihr historisch bestes Ergebnis und ging eine Koalition mit CDU und CSU ein. Doch bereits 2013 brach die Unterstützung auf 4,8 Prozent ein – die FDP verlor sämtliche Mandate im Bundestag. Der Kurs der Partei hin zu einer kompromissloseren wirtschaftsliberalen Ausrichtung und einer härteren Außenpolitik markierte einen Bruch mit der früher gemäßigteren Linie unter Vorgängern wie Wolfgang Gerhardt.
Bekannt für kühne, mitunter polarisierende Aussagen, inszenierte sich Westerwelle als "politischer Popstar". Er brach bewusst mit Konventionen und flirtete in öffentlichen Äußerungen oft mit der Absurdität. Hinter den Kulissen jedoch sah er sich als offen schwuler Politiker früh mit Diskriminierung konfrontiert.
Im Juni 2014 wurde bei ihm Leukämie diagnostiziert, doch er arbeitete weiter, bis seine Gesundheit nachließ. 2015 veröffentlichte er das Buch "Zwischen zwei Leben" und äußerte darin die Hoffnung auf einen Neuanfang jenseits der Politik. Eine spätere Dokumentation zeigte den Kontrast zwischen seiner öffentlichen Selbstsicherheit und den privaten Kämpfen. Rückblickend auf sein Leben sagte er einmal, die "zurückgekehrte Liebe" habe ihm das größte Glück geschenkt.
Westerwelles Tod 2016 beendete abrupt ein Leben, das die deutsche Politik geprägt hatte. Seine Amtszeit sah den Höhepunkt und den tiefen Fall der FDP, während seine Offenheit über seine Sexualität und Krankheit bleibende Spuren hinterließ. Zehn Jahre später sind sein Einfluss – und die anhaltenden Schwierigkeiten seiner Partei – noch immer Gesprächsthema.






