Gefährliche Kosmetik trotz Verbote: Wie schädliche Produkte uns weiter bedrohen
Margit AtzlerGefährliche Kosmetik trotz Verbote: Wie schädliche Produkte uns weiter bedrohen
Trotz strenger Vorschriften gelangen weiterhin gefährliche Kosmetikprodukte zu europäischen Verbrauchern. Untersuchungen aus den Jahren 2025 und 2026 zeigten, dass verbotene Artikel nach wie vor auf großen Online-Plattformen und in Ladengeschäften erhältlich sind. Da schädliche Substanzen durch die Kontrollen rutschen, fordern Behörden nun schärfere Maßnahmen.
2025 prüfte die Europäische Kommission über 1,6 Millionen Websites und entdeckte dabei mehr als 20.000 illegale Produkte – darunter auch Kosmetika. Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress gehörten zu den Anbietern, die verbotene Waren verkauften. Selbst bekannte Marken waren betroffen: Ein Schwarzkopf-Glitzer-Haargel mit dem seit 2022 verbotenen Lilial (BMHCA) konnte noch im März 2026 online erworben werden.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Deutschland testet jährlich rund 10.000 Kosmetikproben. Einige werden vollständig analysiert, andere nur auf korrekte Kennzeichnung überprüft. Dennoch bleiben Lücken. 2026 kaufte das Recherchezentrum CORRECTIV drei verbotene Produkte bei Amazon, darunter einen Nivea-Rasierschaum mit BMHCA. Zudem wurde ein italienisches Haarpflegeprodukt mit Glyoxylsäure – eine Substanz, die wegen möglicher Toxizität für den Menschen in der EU geprüft wird – in einem deutschen Onlineshop erworben.
Wimperenserums mit Prostaglandin-Analoga, die mit Krebs und Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht werden, waren 2026 noch in Filialen großer Drogerieketten wie DM und Rossmann erhältlich. Seit 2012 hat die EU bereits über 4.000 Kosmetikprodukte wegen Gesundheitsrisiken vom Markt genommen. Doch die Liste der "bedenklichen Stoffe" wächst stetig – ein Hinweis darauf, dass mehr Inhaltsstoffe schädlich sein könnten als bisher angenommen.
Die Europäische Kommission hat ein Arbeitspapier vorgelegt, das Prostaglandin-Analoga in Kosmetika verbieten soll. Deutschland drängt auf schnelle gesetzliche Schritte. Doch die geplante "Chemikalien-Omnibus"-Novelle könnte die EU-Kosmetikverordnung sogar abschwächen. Sollte sie verabschiedet werden, dürften krebserregende oder fruchtbarkeitsschädigende Substanzen noch bis zu sechs Jahre nach ihrem Verbot im Handel bleiben.
Die Entdeckung verbotener Produkte in gängigen Läden und Online-Shops zeigt: Die Risiken für Verbraucher bestehen fort. Mit über 4.000 seit 2012 vom EU-Markt genommenen Kosmetikartikeln steht die Politik unter Druck, Schlupflöcher zu schließen. Über die Geschwindigkeit, mit der schädliche Stoffe aus den Regalen verschwinden, wird die "Chemikalien-Omnibus"-Novelle entscheiden.






