FDP in der Krise: Henning Höne warnt vor "existenzbedrohendem Tief"
Die Freie Demokratische Partei (FDP) in Deutschland steckt nach einer Reihe schlechter Wahlergebnisse in einer tiefen Krise. Henning Höne, Landesvorsitzender der Partei in Nordrhein-Westfalen, sprach von einem "existenzbedrohenden Tief" seit der Bundestagswahl 2021. In seinen jüngsten Äußerungen deutet er zudem auf interne Spannungen um die Führung an, vermeidet jedoch direkte Kritik am Bundesvorsitzenden Christian Dürr.
Die Probleme der FDP traten besonders nach der schweren Niederlage in Baden-Württemberg zutage, wo die Partei nur 4,4 Prozent der Stimmen holte. Hönes eigener Landesverband in Nordrhein-Westfalen geht indes einen anderen Weg und setzt auf juristische Auseinandersetzungen um Wahlgerechtigkeit. Ein wichtiger Erfolg gelang am 20. Mai 2025, als das Landesverfassungsgericht Änderungen bei der Sitzverteilung in Kommunalparlamenten für rechtswidrig erklärte – ein Urteil, das Höne als Sieg der Wähler gegen ein "schwarz-rot-grünes Kartell" bezeichnete. Seine Führung in NRW steht damit im Kontrast zum bundesweiten Niedergang der Partei.
Auf die Frage nach Dürrs Zukunft ließ Höne Spekulationen Raum, warnte jedoch davor, einen Führungswechsel als einfache Lösung zu betrachten. Stattdessen lobte er die Ideen und Erfahrung möglicher Nachfolger wie Wolfgang Kubicki und Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Zudem verwies er auf die 70.000 FDP-Mitglieder sowie die aktiven Politiker in Landes- und Kommunalpolitik und deutete an, dass die Partei über mehr Potenzial verfügt als nur ihre prominenten Namen.
Der nächste Bundesparteitag der FDP findet vom 30. bis 31. Mai in Berlin statt, wobei bisher keine Vorständewahlen geplant sind. Weitere Namen, die als mögliche Nachfolger gehandelt werden, sind Bijan Djir-Sarai und Linda Teuteberg. Hönes zurückhaltende, aber deutliche Worte spiegeln eine wachsende Unzufriedenheit in der Partei mit der aktuellen Ausrichtung unter Dürr wider, der einst den Aufstieg der FDP in Nordrhein-Westfalen prägte, bevor die jüngsten Rückschläge folgten.
Die FDP steht nun vor schwierigen Entscheidungen, während sie mit sinkender Wählergunst und internen Führungsdebatten kämpft. Hönes vorsichtige Kritik und sein Plädoyer für strukturelle Lösungen statt Personalrochaden deuten auf eine Partei hin, die nach Stabilität sucht. Der anstehende Parteitag in Berlin könnte zum Wendepunkt werden – je nachdem, ob die Mitglieder umfassende Reformen oder einen Wechsel an der Spitze fordern.