13 March 2026, 14:24

Erzbistum Paderborn dokumentiert 489 Missbrauchsfälle über sechs Jahrzehnte

Ein Buch mit Bildern und Texten, das die Geschichte der katholischen Kirche dokumentiert, einschließlich Bildern von ihren Räumen, Fluren und erhaltenen Artefakten.

Bischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Erzbistum Paderborn dokumentiert 489 Missbrauchsfälle über sechs Jahrzehnte

Erzbistum Paderborn veröffentlicht Bericht zu 489 Missbrauchsfällen zwischen 1941 und 2002

Das Erzbistum Paderborn hat einen Bericht vorgelegt, der 489 Fälle sexuellen Missbrauchs in den Jahren 1941 bis 2002 dokumentiert. Den Ermittlungen zufolge sind 210 Beschuldigte beteiligt, darunter der verstorbene Kardinal Johannes Joachim Degenhardt. Bischof Udo Markus Bentz hat sich inzwischen bei den Opfern entschuldigt und die Übergriffe als systemisches Versagen der Kirche bezeichnet.

Der Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche war erstmals 2010 ans Licht gekommen. Seither arbeiten Bistümer bundesweit an der Aufarbeitung der Vergangenheit. Allein in Paderborn wurden bisher 93 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen an Betroffene geleistet.

Der aktuelle Bericht unterstreicht das Ausmaß des Missbrauchs innerhalb des Erzbistums. Bischof Bentz bezeichnete die Ergebnisse als Beleg für institutionelle Vernachlässigung. Gleichzeitig kündigte er an, die unabhängigen Untersuchungen fortzusetzen – mit besonderem Fokus auf die mutmaßliche Rolle Degenhardts bei der Vertuschung von Fällen.

Reinhold Harnisch, Sprecher der Missbrauchsopfer, begrüßte Bentz' Entschuldigung als Schritt zur Wiederherstellung der Würde der Betroffenen. Harnisch unterstützte zudem Forderungen, Straßen umzubenennen, die Degenhardt und seinen Vorgänger, Kardinal Lorenz Jaeger, ehren – beide stehen im Verdacht, Missbrauchsfälle verschleiert zu haben.

Thomas Wendland, der Missbrauchsbeauftragte des Bistums, wies darauf hin, dass kurz vor Veröffentlichung der Studie eine nicht damit zusammenhängende Äußerung über Degenhardt gefallen sei. Das Erzbistum hat bisher keine weiteren strukturellen Reformen konkretisiert, betont jedoch, die Aufklärung werde weiterhin gründlich betrieben.

Der Bericht bestätigt 489 Missbrauchsfälle über sechs Jahrzehnte in Paderborn. Betroffene haben bisher Entschädigungen in Höhe von 93 Millionen Euro erhalten. Unterdessen hat das Erzbistum zugesagt, die Prüfung früherer Verantwortungsträger – darunter Degenhardt – im Rahmen der laufenden Reformen zu vertiefen.

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