Energieeffizienzgesetz reformiert: Lockerungen für Rechenzentren sorgen für Streit
Angelina ReinhardtEnergieeffizienzgesetz reformiert: Lockerungen für Rechenzentren sorgen für Streit
Die deutsche Bundesregierung hat Änderungen am Energieeffizienzgesetz verabschiedet und damit die Vorgaben für Rechenzentrumsbetreiber gelockert. Die Reformen sorgen für Diskussionen unter Wirtschaftsvertretern, Umweltschützern und Branchenbeobachtern. Während Befürworter die Neuerungen als Stärkung für Unternehmen begrüßen, warnen Kritiker vor Rückschritten im Klimaschutz.
Nach den neuen Regeln gelten für Rechenzentren weniger strenge Effizienzziele. Zudem haben die Betreiber mehr Zeit für die Umsetzung: Statt zwei Jahren beträgt die Frist nun vier Jahre. Die Verpflichtung, den Stromverbrauch vollständig durch erneuerbare Energien auszugleichen, wurde auf das Jahr 2030 verschoben.
Auch die Nutzung von Abwärme wurde gelockert: Unternehmen müssen diese nun nur noch dann einsetzen, wenn ein lokales Fernwärmenetz verfügbar ist. Zudem sind Energie- oder Umweltmanagementsysteme erst ab einem jährlichen Verbrauch von mindestens 23,6 Gigawattstunden Pflicht.
Peter Adrian vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) begrüßte die Reformen als „deutliche Entlastung“ für die Wirtschaft. Kilian Vieth-Ditlmann von AlgorithmWatch hingegen bezeichnete die Änderungen als „Kapitulation vor den Tech-Giganten“ und warnte vor steigenden Umwelt- und Wirtschaftskosten. Katharina Reuter vom Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft kritisierte, die Regierung finde kein Gleichgewicht zwischen Klimaschutz und wirtschaftlichen Interessen. Linda Klapdor von Greenpeace warnte davor, dem US-Modell fossiler Rechenzentren zu folgen, das sie mit wachsenden Emissionen in Verbindung bringt.
Die gelockerten Vorschriften geben Rechenzentrumsbetreibern mehr Flexibilität und Zeit. Wirtschaftsverbände sehen darin einen wichtigen Schritt für die Wettbewerbsfähigkeit. Umweltschützer befürchten jedoch, dass die Änderungen die Klimaziele untergraben und die Emissionen steigen lassen.
