07 June 2026, 02:22

"Eine Mark mehr!": Wie Frauen 1973 in Neuss für Lohngerechtigkeit kämpften

Wenn Frauen ihre Chefs auf die Knie zwangen

"Eine Mark mehr!": Wie Frauen 1973 in Neuss für Lohngerechtigkeit kämpften

Im August 1973 brach im Pierburg-Werk in Neuss ein historischer Streik aus. Was am 13. August mit etwa 20 Frauen begann, entwickelte sich schnell zu einer Massenprotestbewegung mit Hunderten Beteiligten. Ihre Forderung war unmissverständlich: gleicher Lohn für gleiche Arbeit – unter dem Schlachtruf „Eine Mark mehr!“

Die Belegschaft, überwiegend Frauen – darunter viele Migrantinnen aus ganz Europa – war lange unter die Tarifgruppe „leichte Arbeit 2“ eingestuft worden. Das bedeutete niedrigere Löhne als für Männer, die dieselbe Arbeit verrichteten.

Der Streik dauerte von Montag, dem 13. August, bis Freitag, den 17. August. Die Solidarität griff schnell um sich: Auch männliche Kollegen schlossen sich an – eine seltene Unterstützung für Arbeiterinnen zu jener Zeit. Künstler wie Joseph Beuys und Arbeiter aus anderen Städten standen ebenfalls hinter dem Protest.

Die Polizei ging gewaltsam gegen die Streikenden vor. Berichten zufolge kam es zu brutalen Übergriffen, darunter rassistische Beleidigungen durch einen Beamten. Trotz der Repressionen blieben die Frauen standhaft.

Bis Freitag, den 17. August, gaben die Arbeitgeber nach. Sie boten eine Lohnerhöhung von 53 bis 65 Pfennig und strichen die Einstufung „leichte Arbeit 2“. Doch der Erfolg von Pierburg blieb nicht lokal begrenzt – er löste die Abschaffung dieser diskriminierenden Lohnstufe in ganz Deutschland aus.

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Der Streik in Neuss markierte einen Wendepunkt für die Arbeiterbewegung in Deutschland. Er zwang zur Abschaffung des „leichte Arbeit 2“-Systems und sicherte Hunderten Frauen höhere Löhne. Die gezeigte Solidarität der männlichen Kollegen setzte zudem ein Zeichen für künftige Arbeitskämpfe.

Quelle