14 March 2026, 12:24

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum das Straßenmagazin mehr ist als nur ein Heft

Eine Zeitung mit einer Zeichnung von zwei Personen, eine sitzend und eine stehend, mit den Worten "Die Obdachlosen Armen" darauf.

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum das Straßenmagazin mehr ist als nur ein Heft

Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin – verkauft von obdachlosen und marginalisierten Händler:innen – verzeichnet einen drastischen Rückgang seiner monatlichen Auflage. Während früher noch 40.000 Exemplare gedruckt wurden, liegen die Verkäufe heute bei weniger als 12.000. Der Schwund spiegelt nicht nur die allgemeinen Schwierigkeiten der Printmedien wider, sondern auch eine wachsende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen – insbesondere gegenüber denen mit Migrationshintergrund.

Das Magazin, das sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form erscheint, bleibt für viele dennoch ein Lebensretter. Es bietet nicht nur ein Einkommen, sondern auch ein Gefühl von Zugehörigkeit und Schutz für Menschen, die auf der Straße leben.

Der Rückgang der Verkaufszahlen ist Teil eines bundesweiten Trends bei deutschen Straßenzeitungen. Seit 2015 haben mindestens fünf große Titel – darunter der "Berliner Strassenfeger" und das "Frankfurter Strassenmagazin" – zwischen 40 und 70 Prozent ihrer Leserschaft verloren. Viele setzen inzwischen auf Crowdfunding, digitale Spenden über Apps wie "Too Good To Go" oder subventionierte Druckauflagen, um zu überleben. Einige experimentieren sogar mit hybriden Formaten, die den klassischen Straßenverkauf mit Online-Streaming verbinden, um über die Runden zu kommen.

"fiftyfifty" selbst hat den Verkaufspreis auf 3,40 Euro erhöht, um die steigenden Kosten auszugleichen – doch im Vergleich zu anderen täglichen Ausgaben bleibt das Heft erschwinglich. Die digitale Ausgabe, die wie eine Rubbellotterie funktioniert, stellt sicher, dass die Verkäufer:innen weiterhin die Hälfte des Verkaufspreises erhalten. Finanziert wird das Projekt zudem durch Spenden, eine Wohltätigkeitsgalerie und den Verkauf der digitalen Version "ObdachLOS".

Doch das Magazin ist mehr als nur eine Einnahmequelle: Es leistet wichtige Aufklärungsarbeit, rückt Obdachlosigkeit ins öffentliche Bewusstsein, kämpft gegen Diskriminierung und deckt Missstände auf. Für die Händler:innen bedeutet der Verkauf von "fiftyfifty" mehr als nur Geld – er gibt Struktur, Würde und eine Verbindung zur Gesellschaft. Das Projekt unterstützt zudem weitere Initiativen, von Straßenhilfeprogrammen bis hin zur tierärztlichen Versorgung herrenloser Hunde.

Ohne das Magazin würde eine entscheidende Stimme der Obdachlosen verschwinden. Viele wichtige Unterstützungsnetzwerke, die sich um den Verkauf des Hefts herum gebildet haben, stünden vor dem Aus.

Der Auflagenrückgang bedroht damit ein Projekt, das weit mehr ist als ein Magazinverkauf: Es finanziert lebenswichtige Dienstleistungen, gibt den Verkäufer:innen einen Sinn und hält das Thema Obdachlosigkeit in der öffentlichen Debatte präsent. Angesichts der ungewissen Zukunft der Printmedien steht das Überleben von "fiftyfifty" – und der Menschen, die von ihm abhängen – auf dem Spiel.

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