20 April 2026, 14:31

Dresdens geheime Kunstrevolution: Wie die Obergraben-Presse die Underground-Szene prägte

Schwarz-weiß-Illustration einer alten Buchseite mit einer detaillierten Zeichnung eines großen Auditoriums in Berlin, Deutschland von 1912, neben Text zur Beschreibung des Theaters.

Dresdens geheime Kunstrevolution: Wie die Obergraben-Presse die Underground-Szene prägte

In den 1970er-Jahren wurde Dresden zum Schauplatz eines kühnen kreativen Projekts. Die Obergraben-Presse entstand als ein von Künstlern geleitetes Atelier, das Druckkunst, Verlagswesen und Ausstellungen vereinte. Ihre Wurzeln reichen zurück zu einer Gruppe von Künstlern und Druckern, die nach mehr als bloßer Routinearbeit strebten – darunter auch ehemalige Mitglieder des inzwischen aufgelösten Kollektivs Lücke.

Die Geschichte begann 1971, als der Künstler A.R. Penck die experimentelle Gruppe Lücke mitgründete, die sich bis 1976 wieder auflöste. Zur gleichen Zeit entwickelte er seine Theorie Vom Untergrund zum Obergrund, in der er den Wandel der Kunst von der Geheimhaltung hin zu öffentlicher Sichtbarkeit untersuchte. Im Jahr 1976 formierte sich ein neues Team: Eberhard Göschel und Peter Herrmann schlossen sich der Arbeitsgruppe des Leonhardi-Museums an, während der Drucker Jochen Lorenz unzufrieden wurde. Statt weiter Fahrpläne für die Staatsbahn zu drucken, sehnte er sich nach Projekten mit künstlerischer Herausforderung.

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Bald fanden sich Räumlichkeiten und Ausstattung. 1978 zog Göschel in ein größeres Atelier um, wodurch eine Dreizimmerwohnung für Experimente frei wurde. Herrmann steuerte eine seltene italienische Druckerpresse aus dem Jahr 1908 bei, die Bernhard Theilmann akribisch restauriert hatte. Mit diesen Ressourcen startete die Obergraben-Presse – halb Werkstatt, halb Verlag, halb Galerie – und vereinte Künstler und Handwerker unter einem Dach.

Die Obergraben-Presse entwickelte sich zu einem Ort der Zusammenarbeit, an dem bildende Kunst und handwerkliches Drucken verschmolzen. Ihre Gründung basierte auf gemeinsamem Ehrgeiz, umgenutzten Räumen und einer wiederhergestellten, über hundert Jahre alten Presse. Das Projekt markierte einen Wendepunkt für Dresdens Underground-Kunstszene und bot eine Plattform für Experimente sowie die öffentliche Auseinandersetzung mit Kunst.

Quelle