"Debritz" feiert Premiere: Eine düster-komische Farce über Dorfsterben und Klimawandel
Margit Atzler"Debritz" feiert Premiere: Eine düster-komische Farce über Dorfsterben und Klimawandel
Am Badischen Staatstheater Karlsruhe feierte die neue Farce Debritz Premiere. Das Stück zeichnet ein düster-komisches Bild eines kämpfenden Dorfes in Ostdeutschland. Mit absurdem Humor und einer auffälligen Bühnenbildgestaltung hat die Inszenierung bereits Aufmerksamkeit erregt.
Die Handlung spielt in Debritz, einem fiktiven Ort, der als trostlose Provinz dargestellt wird. Missernten, eine schrumpfende Bevölkerung und das Fehlen von Industrie oder öffentlichem Nahverkehr prägen die harte Realität des Dorfes. Es steht symbolisch für viele sogenannte strukturschwache Regionen in Deutschland.
Das Bühnenbild unterstreicht die Themen des Stücks: Eine eintönige braune Landschaft und seltsame kristalline Wucherungen deuten auf die Folgen des Klimawandels hin. Auf der Bühne prallen ein hilfloser Bürgermeister, verbitterte Fabrikarbeiter und eine wohlhabende Großstadt-Touristin in einer Reihe von Slapstick-Szenen aufeinander. Selbst ein als Kerze verkleideter Darsteller trägt eine ironische Hymne vor, während eine Figur namens Barbarossa die Absurdität noch verstärkt.
Unter den Schauspielern stechen Peggy, eine Zuckerrübenbäuerin, und ihr Freund Maik als einzige voll ausgearbeitete Charaktere hervor. Ihre gegensätzlichen Wünsche – wegzugehen oder zu bleiben – verleihen der ansonsten überzeichneten Welt emotionale Tiefe. Die lebendige Energie des Ensembles trägt die Produktion, auch wenn einige Kritiker bemängeln, dass dem Stück tiefere emotionale und intellektuelle Schichten fehlen.
Die letzte Szene des Stücks schlägt abrupt einen ernsteren Ton an: Zwei Gestalten in Schutzanzügen berichten von den Folgen von Kriegen um schwindende Ressourcen. Ihre Warnung vor der Zukunft hinterlässt beim Publikum eine ernüchternde Botschaft.
Die Inszenierung thematisiert die wachsende Kluft zwischen Stadt und Land in Deutschland sowie die oft ignorierten Auswirkungen des Klimawandels. Mit einer Mischung aus Farce und drastischen Bildern bringt das Stück diese Themen auf ungewöhnliche, mutige Weise auf die Bühne. Seine Aktualität liegt in der – wenn auch überzeichneten – Darstellung vernachlässigter Regionen und ökologischen Verfalls.
