Bergisch Gladbach vor dem Kollaps: 50 Millionen Defizit und drohende Insolvenz bis 2027
Micha SeipBergisch Gladbach vor dem Kollaps: 50 Millionen Defizit und drohende Insolvenz bis 2027
Bergisch Gladbach steckt in einer sich verschärfenden Finanzkrise: Der Haushalt 2026 weist ein Defizit von fast 50 Millionen Euro auf. Die Stadt kämpft mit Arbeitsplatzverlusten, industriellem Niedergang und gescheiterten Klimaschutzmaßnahmen, die Unternehmen und Bürger in eine prekäre Lage bringen. Lokale Politiker streiten nun darüber, wie der Haushalt konsolidiert werden kann, ohne die Steuerzahler noch stärker zu belasten.
Der Zusammenbruch der Zanders-Papierfabrik markierte einen Wendepunkt für die Wirtschaft der Stadt. Eine Nachforderung von 7 Millionen Euro für CO₂-Zertifikate zwang das traditionsreiche Unternehmen zur Schließung – nach fast 200 Jahren Produktion fielen 380 Arbeitsplätze weg. Zeitgleich stellte auch Isover, ein seit 1931 am selben Standort ansässiger Hersteller, wegen des Gebäudeenergiegesetzes den Betrieb ein, was weitere 160 Stellen kostete.
Bis Anfang 2025 planten bereits 38 Prozent der Industriebetriebe im Kreis Entlassungen. Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Bergisch Gladbach, warnte im Februar 2026 vor einer beschleunigten Deindustrialisierung. Zwar lassen sich die Stellenabbauwellen nicht direkt auf CO₂-Vorgaben oder das Gebäudeenergiegesetz zurückführen – doch der allgemeine wirtschaftliche Verfall, etwa durch ein leerstehendes Einkaufszentrum, ist offenkundig.
Der vorgeschlagene Haushaltsplan sorgt für weiteren Zündstoff. Trotz bereits überdurchschnittlich hoher Steuersätze in Nordrhein-Westfalen sind weitere Erhöhungen vorgesehen. Die AfD-Fraktion lehnte den Entwurf als "realitätsfern" ab, insbesondere wegen überoptimistischer Annahmen bei den Gewerbesteuereinnahmen. Stattdessen präsentierte sie ein 10-Punkte-Alternativkonzept, das unter anderem Kürzungen im Klimaschutzmanagement, Einsparungen im Personalbereich und einen Ausbau der Kinderbetreuung vorsieht – alles mit dem Ziel, die Ausgaben zu senken.
Kritik gibt es auch an den kommunalen Klimaschutzausgaben. Trotz hoher Investitionen versagten die Maßnahmen etwa beim Hochwasserschutz – wie die Flutkatastrophe 2021 im Strundepark zeigte. Angesichts der Warnung des Stadtkämmerers, dass die Stadt ab 2027 zahlungsunfähig sein könnte, wächst der Druck, schnell Lösungen zu finden.
Die Haushaltslücke 2026 zwingt Bergisch Gladbach nun zur Wahl zwischen Steuererhöhungen oder radikalen Kürzungen. Während die Industrie weiter Jobs abbaut, bleiben die versprochenen Effekte der Klimapolitik aus. Ohne grundlegende Reformen drohen der Stadt ein tieferer wirtschaftlicher Abstieg – und möglicherweise schon in diesem Jahr die Insolvenz.






