50. Klagenfurter Literatur-Tage: Preise, Provokationen und ein Festival der Worte
Margit Atzler50. Klagenfurter Literatur-Tage: Preise, Provokationen und ein Festival der Worte
Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt: Preise, Provokationen und literarische Glanzlichter
Bei den diesjährigen 50. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt wurden mehrere renommierte Auszeichnungen verliehen. Vor einer rein weiblich besetzten Jury setzten sich Autor:innen mit Themen wie Wirtschaft, prekären Lebensverhältnissen und literarischem Witz auseinander. Die Veranstaltung bot nicht nur ein Schaufenster für kreatives Schaffen, sondern spiegelte auch die Spannungen innerhalb der Branche wider.
Den KELAG-Preis erhielt Kinga Tóth für ihren scharfsinnigen Sprachstil und ihr polyphones Erzählen. Die Jury lobte ihre erfinderischen Ideen und prägnanten Formulierungen – nur wenige der eingereichten Texte hätten nicht überzeugt. Besonders bemerkenswert: Tóth hatte Deutsch lediglich in der Schule gelernt.
Die siebenköpfige Bachmann-Preis-Jury zeichnete Schaette mit dem mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis sowie dem Publikumspreis für ihren Text „Was wir tragen“ aus. Ozan Zakariya Keskinkılıç gewann den Deutschlandfunk-Preis für „Vater ohne Sohn“, während Magdalena Schrefel mit „Kirschen, Herz in der Schlinge“ den 3sat-Preis (7.500 Euro) erhielt.
Für Diskussionen sorgte die Lesung von Slata Roschal. Ihre Geschichte, die zwar prekäre Verhältnisse streifte, richtete den Fokus vor allem auf die Literaturbranche selbst. Sie kritisierte die etablierten Strukturen wegen niedriger Honorare und schmaler Gewinnspannen – und verließ daraufhin demonstrativ die Bühne, ohne sich der Jury zu stellen.
Literarische Anspielungen gab es unter anderem auf Ingeborg Bachmanns „Der gute Gott von Manhattan“, in dem Gott zwar auf der Anklagebank Platz nimmt, aber nach einer wahrheitsgemäßen Aussage freigesprochen wird. Das wiederkehrende Motiv des „Flecks“ – als Symbol für prekäre Lebensumstände – sorgte für Heiterkeit im Publikum.
Das Festival vereinte damit literarische Klasse mit gesellschaftskritischen Untertönen. Schaette, Keskinkılıç, Schrefel und Tóth wurden für ihre Werke gewürdigt, während die Debatten über die ökonomischen Realitäten der Branche dem Event eine zusätzliche Dimension verliehen.
